Bahnbetriebswerk Frankfurt (Oder) Verschiebebahnhof

Während des ersten Weltkrieges wurden die wesentlichen Anlagen des Bahnbetriebswerk Frankfurt (Oder) Verschiebebahnhof (Bw Fko Vbf) errichtet und Anfang 1917 in Betrieb genommen. An einigen Gebäuden war lange Zeit das Datum der Fertigstellung erkennbar: Übernachtungsgebäude Birnbaumsmühle 73 (erbaut 1914), Betriebsstofflager (1915), Werkstatt zwischen Lokschuppen und Dreherei (1920). Nach den Unterlagen der Hochbaumeisterei entstanden der Lokschuppen Holzteil I 1915, Teil II mit Schiebebühne und Teil III 1920, die Werkstatt mit Laufkran 1923. Die erste Drehscheibe direkt am »kleinen Kanal«, sie wurde 1978 verschrottet, war zum Bekohlen der Tenderlokomotiven erforderlich. Die große Drehscheibe an der Straßenunterführung mit einer Gleisharfe vor dem Lokschuppen entstand etwas später. Weitere Anlagen kamen 1918 und danach hinzu, so ein moderner Schlackesumpf, hintereinander angeordnete Kohleschütten aus Beton mit einem Fassungsvermögen von einer bzw. anderthalb Tonnen, ein Kohlehochbunker mit Waage und eine Besandungsanlage. Nach Fertigstellung aller Objekte stand ein Rechteckschuppen mit 36 Lokständen sowie eine Schiebebühne mit den genannten Anlagen für den Lokbetrieb zur Verfügung. Den Kohleumschlag erledigten ein elektrischer und ein Dampfgreiferkran.
Für die Lokunterhaltung standen die Schlosserei, Dreherei und Schmiede, im Ostteil eine hydraulische Stempelachsenke über vier und im Westteil eine über zwei Gleisen zur Verfügung. Eine Auswaschanlage konnte auf sechs Gleisen genutzt werden.
Obwohl alle Anlagen neu errichtet waren, mußte sich ein großer Teil des Lokpersonals im Lokschuppen umziehen. Dazu standen Schränke an den Wänden oder in den Ecken. Ähnlich ging es den Handwerkern. Sie hatten nur einen Umkleide- und Waschraum im Parterre des Verwaltungsgebäudes. Im Keller befanden sich drei Wannenbäder und fünf Duschen sowie eine bescheidene, privat bewirtschaftete, nur am Tage geöffnete Kantine mit Imbißversorgung. Das heiße Wasser zum Aufbrühen von Kaffee oder Tee für die Tour, konnte einer Kanne, die auf einem Ofen zum Sandtrocknen stand, entnommen werden.
Die ersten Dampfrösser, die in den neuen Lokschuppen einzogen, waren drei Arbeitszuglokomotiven, die beim Bau des Verschiebebahnhofes im Einsatz waren. Sie wurden über Nacht dort abgestellt und von einem Oberputzer des Bw Pbf betreut. Zur offiziellen Inbetriebnahme erfolgte eine Aufteilung des Lokparkes und der Belegschaft des Bahnbetriebswerks Personenbahnhof. Güterzuglokomotiven mit Personal und die zuständigen Handwerker zogen um. Mit 40 Maschinen der pr. G8 (BR 55) begann der Betrieb. Als erster Vorsteher trug Reichsbahnamtmann Bender die Verantwortung für eine Belegschaft von ca. 500 Mitarbeitern. Die Personale und Lokomotiven waren in fünf Plänen mit einem 20tägigem Turnus eingeteilt. Die Lokleitung befand sich in einer Fachwerkbaracke. Ende 1918 waren 50 Strecken- und fünf Rangierlokomotiven sowie 370 Beschäftigte des Fahrdienstes in Dienstplänen eingeteilt. Außerdem gehörten die Wagenunterhaltung, zwei Oberwagenmeister, 20 Wagenmeister und Hilfskräfte zum Bw.
Am Ende des ersten Weltkrieges mußte das Bw fast alle Lokomotiven als Reparationsleistung nach Frankreich abgeben. 1919 war durch Umstationierung von pr. G10 (BR 57) der planmäßige Bestand von etwa 40 Maschinen fast wieder erreicht. Später kamen auch wieder Maschinen der BR 55 dazu. Mitte der 20er Jahre hielt eine technische Neuerung Einzug. Die Lokomotiven 52 4870 und 57 4875 mit der Kunze-Knorr-Bremse ausgerüstet, fuhren täglich zwei Züge luftgebremst. Ende des Jahrzehnts wurden für den Rangierdienst 94er zugeführt.

Lokbestand des Bw Frankfurt Vbf am 01.01.1930

55 2652 2655 2858 2857 3068 3069    
  3070 3071 3072 3073 3079 3080    
  3253 3255 3256 3257 3258 3259    
  3267 3269 3465 3466 3467 3471    
  3494 3496 3664 3952 3953 3954    
  4432 4465 4466 4968 4969 4970    
  4971 4972 4973 4974 5052 5134    
  5136 5137 5138 5139 5140 5141    
  5142 5143 5144 5145 5146   = 53
57 1008 1009 1022 1023 1125 1155    
  2088 2171 7172 2173 2174 2175    
  2352 2485 2486 2487 2488 3386    
  3444 3445 3446 3447 3448 3449    
  3450 3451 3152 3453     = 28
89 7081 7190 7471 7472 7473   = 5
91 524 1227 1338 1696     = 4
94 1732 1733 1734 1735 1736 1738    
  1739 1740         = 8
            gesamt = 98

Ende 1933 erhielt das Bw Vbf zehn 93er als Ersatz für die inzwischen abgezogenen Lokomotiven der BR 94. In den Jahren von 1933 bis 1941 wuchs der Lokpark weiter bis auf 110 Maschinen an. 1935/36 und 1939 wurden Lokomotiven der BR 58 zugeführt und 1939 kamen die 41 274, 275, 276, 277, 279 und 282 für die Beförderung von Eilgüterzügen, die notfalls auch für Reisezüge eingesetzt werden konnten. Walter Gaasch erinnert sich: »Ein besonderes Problem war die Auf- bzw. Abstellung von ca. 80 bis 85 Lokomotiven über Sonntag, weil an diesem Tage der Güterverkehr fast vollständig ruhte. So wurden dann die Lok entsprechend ihren Plänen und Abfahrzeiten auf den Gleisen zwischen Lokschuppen und Drehscheibe aufgestellt. Die Lokomotiven, die in Richtung Guben-Sorau-Sommerfeld, oder Cottbus-Großenhain fuhren, mußten im Personenbahnhof abgestellt werden, da es auf dem Gelände des Bw Vbf nicht möglich war, alle Maschinen so aufzustellen, daß es beim Einsatz keine Verspätungen gab.« Ab Mai 1940 erhielt das Bw Vbf 34 Neubaulokomotiven: 50 153-162, 50 422-429, 50 493-500 und 1941 die 50 1065, 50 1085-1089, 50 1352 und 1353. Die Baureihe 57 und einige 55er wurden abgezogen. Im Januar 1942 kamen fabrikneu dazu: 50 2574, 2575, 2582 und 2583. Die Transportaufgaben stiegen ständig weiter an. Am 1. April 1943 gehörten zum Bw Vbf 765 Beamte, Angestellte und Arbeiter einschließlich 127 »Fremdarbeiter«. Ab 1943 wurde die Baureihe 50 durch die Kriegsbaureihe 52 schrittweise abgelöst: 52 5875, 5877, 5878, 52 5881-5883, 52 3136, 3138, 2383, 2385 und 52 4925. 1944 wurden geliefert: 52 4976-4978, 5016 und 5023. Die BR 41 war nun nicht mehr erforderlich. Sie verschwand im Mai 1944 aus der Oderstadt. Ende 1944/Anfang 1945 wurde Frankfurt immer mehr zur Auffang- und Durchgangsstation für Menschen und Maschinen aus dem Osten bis die letzten Eisenbahner selbst Räumzüge bestiegen und das Weite suchten. Während der Kriegshandlungen fielen Bomben auf das Bw-Gelände. Das Dach des Lokschuppens lag teilweise zwischen den Gleisen und Arbeitsgruben. Das Betriebsgebäude wurde bis in die Kellerräume zerstört.
Von 1947 bis 1950 war im Lokschuppen die Wagenunterhaltung einquartiert. Anschließend hatte das Bw Sonderaufgaben im Kolonnendienst zu erfüllen. (besonderes Thema)

Nach der Kolonnenzeit

Mit dem Ende der Kolonnenzeit erhielt das Bw 1954 seine ursprünglichen Aufgaben im Binnenverkehr zurück. Der Lokbestand verringerte sich auf ca. 50 Maschinen, die Zahl der Arbeitskräfte auf 725. Außer den Zugängen aus dem Kolonnendienst erhielt das Bw Vbf zum 1. Juli 1954 die Lokomotiven: 93 105, 131, 134, 150, 351, 375 und 400. Es folgten vier weitere 93er und 1955 die 89 6141. Im Herbst 1955 kamen die 52er von der PKP zurück. 1958/59 gab die 74 818 eine Gastrolle. Zum Bestand gehörten zeitweilig auch die 89 6118, 6144, 6148, 6413 und 92 6101.
Nach wie vor bestand die Aufgabe darin, Güterzüge in Richtung Berlin, Eberswalde, Angermünde, Kietz und Cottbus zu befördern, den Grenzverkehr in Frankfurt (Oder) und Kietz sowie den Rangierdienst in Fko, Kietz und Eisenhüttenstadt abzuwickeln.

Lokbestand des BW Fko Vbf am 01.01.1960

52 149 444 454 563 714 1144    
  1254 1419 1451 1466 1490 1491    
  1714 2161 2195 2333 2491 2523    
  2542 2582 2691 2758 3186 3192    
  3204 3217 3220 4507 4780 4817    
  4869 4926 4952 5024 5098 5242    
  5457 5659 5696 5864 5884 5932    
  6194 6206 6227 6860 7104 7131    
  7172 7221 7222       = 51
93 247 267 400       = 3
            gesamt: = 54

Der Einsatz der Baureihe 93 endete 1963. Von 1964 bis 1967 wurde im Rangierdienst 55er eingesetzt.
Dazu trafen für beide Frankfurter Bahnbetriebswerke folgende Maschinen ein: 55 2674, 2678, 2829, 2887, 3208 und 4602.
Obwohl im Bw Rbf die Traktionsumstellung erst später einsetzte, war rechtzeitig mit der Qualifizierung des Triebfahrzeugpersonals begonnen worden. 1966 wurde der erste Vorbereitungslehrgang gemeinsam mit dem Bw Pbf außerhalb der Arbeitszeit durchgeführt. Schrittweise begann die Traktionsumstellung im Rangierdienst 1964 mit dem Einsatz der V60 1085 und später der V60 1080, die für Schulungszwecke der »im Kulturhaus Völkerfreundschaft« untergebrachten Lokfahrschule dienten. Zum Bw Fko Vbf wurden sie jedoch erst Ende 1965 und am 30.03.1966 umgesetzt. Im Zugdienst begann der Traktionswechsel mit dem Winterfahrplan 1966/67 mit drei Triebfahrzeugen der BR 118 im Dienstplan 106. Die Unterhaltung erfolgte im Bw Pbf. Als zwei Lokomotiven im Reisezugdienst benötigt wurden, kamen als Ersatz zwei Tfz der BR 120 zum Einsatz.

Vorsteher bzw. Leiter des Bw Vbf (Rbf) waren:

Heinrich Möller 21.12.1950 – 30.11.1954,
Gottfried Rose 01.12.1954 – 14.07.1957,
Erich Mertsch 15.07.1957 – 31.10.1964,
Manfred Vollmer 01.11.1964 – 31.12.1967.

Komplexdienststelle

Auf Drängen beider Bahnbetriebswerke begannen 1966 die Vorbereitungen für die Bildung einer Komplexdienststelle. Nachdem Widerstände bei der Direktion überwunden waren, gab es dazu die Genehmigung, mit der Auflage, auch das Bahnbetriebswerk Wriezen in die Untersuchungen mit einzubeziehen. Erste Erfahrungen wurden beim Zusammenschluß der Gruppen Technische Anlagen (TA) im Jahre 1965 gesammelt. Ursprünglich war nur an eine Vereinigung der Gruppen Triebfahrzeugunterhaltung (TU) gedacht. Doch sehr bald reifte die Erkenntnis, daß es sinnvoller sei, die Dienststellen komplett zu vereinigen. Auf der Grundlage einer neuen Rahmenstruktur der Hauptverwaltung der Maschinenwirtschaft der DR wurden die Arbeiten fortgesetzt. Nach endgültiger Bestätigung durch das Ministerium für Verkehrswesen erfolgte der Zusammenschluß. Mit Wirkung vom 1. Januar 1968 wurden das Bahnbetriebswerk Frankfurt (Oder) Personenbahnhof mit der Lokstation Fürstenwalde, das Bahnbetriebswerk Frankfurt (Oder) Rangierbahnhof mit den Lokstationen Kietz und Eisenhüttenstadt und das Bahnbetriebswerk Wriezen zum Bahnbetriebswerk Frankfurt (Oder) (Bw Fko) vereinigt. Sitz der neuen Dienststelle war das ehemalige Bw Rbf. Die ehemaligen Bahnbetriebswerke Fko Pbf und Wriezen erhielten die Bezeichnung Triebfahrzeugeinsatzstelle. Die Dampflokunterhaltung wurde im wesentlichen im Lokschuppen Rbf und die Diesellokunterhaltung in Pbf konzentriert. In Wriezen sollte auf Vorschlag der Direktion die Lokunterhaltung gänzlich eingestellt werden. Von Juni 1968 bis Mai 1969 wurden deshalb dort sieben Lokomotiven der Baureihen 89, 58 und 93 zerlegt und verschrottet. Auf Grund des Arbeitskräftemangels mußten ab Juni 1969 die Wriezener Handwerker wieder für die Lokunterhaltung eingesetzt werden.
Im Triebfahrzeugbetrieb war 1968 folgende Ausgangssituation: Im Dienstplan 106 des Betriebsteiles Rbf waren drei Tfz der BR 118 eingesetzt, auf denen durch Konzentration der Lehrlokführer Dampftriebfahrzeugführer im Güterzugdienst umgeschult wurden. Den Güterzugdienstplänen 107 bis 112 waren insgesamt 20 Triebfahrzeuge der BR 52 zugeordnet, wobei zusätzlich elf Triebfahrzeugführer und elf Heizer in einem Personalplan auf diesen Maschinen tätig waren. Der Reisezugdienst in der Einsatzstelle Personenbahnhof (Est Pbf) wurde mit vier 03, fünf 62er, eine 64er, eine 52er, zwei V 180 und fünf LVT und in der Einsatzstelle Wriezen (Est Wrz) mit vier 38er abgedeckt. Sieben 52er waren für die Überführungen zwischen dem Rangierbahnhof und dem Grenzbahnhof Oderbrücke und eine 52er im grenzüberschreitenden Verkehr zwischen Kostrzyn und Kietz im Einsatz. Eine weitere Lok der BR 52 hatte die Aufgabe, alle Güterzüge über 1200 Tonnen vom Rangier- oder Personenbahnhof bis Rosengarten nachzuschieben. Für die Güterzugleistungen der Est Wrz standen sechs 52er zur Verfügung. Auch für den örtlichen Rangierdienst kam vorwiegend die Baureihe 52 zum Einsatz: auf dem Frankfurter Rangierbahnhof sechs Lokomotiven und je eine auf den Bahnhöfen Fko Pbf, Wriezen, Fürstenwalde, Kietz, Erkner und Eisenhüttenstadt. Für die Ausbildung und Umschulung von Triebfahrzeugführern wurden zwei V 60 verwendet. Eine V 15 leisteten im Bezirk Fot des Frankfurter Personenbahnhofes Rangierdienst und eine weitere war in Fürstenwalde für leichten Güterzugdienst im Einsatz. Vier Lokomotiven der BR 52 hatten Aufgaben im Arbeitszugdienst zu lösen. Damit ergab sich ein arbeitender Lokpark von 80 (davon 14 x V-Traktion).
Zum Winterfahrplan 1968/69 wurde die letzte Lok der BR 64 im Reisezugdienst durch eine 62er ersetzt und die V 15 von Fürstenwalde wieder abgezogen. Ab Sommerfahrplan 1969 übernahmen die fabrikneuen (02.10.1968) V 23 060 und 061 den Rangierdienst im Bezirk Fot. Die dortige V 60 kam nach Fwt und setzte eine 52er frei. Mit der Zuführung einer weiteren V 60 wurde in Fürstenwalde der Güterzugdienst auf V-Traktion umgestellt. In den Fahrplanabschnitten 1969/70 und 1970 wurde die BR 62 schrittweise, weil einzelne Fahrzeuge in den Schadpark kamen, durch die BR 65 ersetzt. In Wriezen führte das zur Herauslösung der BR 38 und damit zu verbesserten Arbeitsbedingungen bei Rückwärtsfahrten.

Lokbestand des Bw Frankfurt (Oder) am 01.01.1970
(ohne Kö und VT)

03 021 2025 028 176 195 228    
  250 2269 298       = 9
38 1580 1687 2325 2416 2647 3971    
  4009           = 7
52 573 604 808 1331 1466 1491    
  1562 1623 2161 2195 2477 2523    
  2662 2691 2723 3186 3192 3204    
  3217 3245 3747 3788 4507 4926    
  4952 5030 5142 5215 5233 5457    
  5639 5696 5812 5864 5884 5931    
  6016 6125 6227 6355 6632 6920    
  7104 7131 7227 7554 7582   = 47
  8021 8022 8024 8025 8026 8029    
  8031 8040 8049 8050 8053 8061    
  8065 8066 8074 8079 8082 8085    
  8087 8089 8095 8102 8117 8118    
  8155           = 25
62 007 008 014 015     = 4
65 1003 1006 1021 1034 1045   = 5
78 281 497         = 2
V23 060 061         = 2
V36 022           = 1
V60 1085 1090 1254       = 3
V180 134 148 155 157 169 178 = 6
            gesamt: = 111

Ab 1. Juli 1970 wurden EDV-gerechte Betriebsnummern eingeführt und die Rbd Berlin nahm ab Winterfahrplan 1970/71 eine Neugliederung der Dienstpläne vor. Dem Bw Frankfurt (Oder) standen die Dienstplan-Nummern 151 bis 189 zur Verfügung. Aus dem Bestand des Bw Berlin-Pankow kamen zwei Triebfahrzeuge der BR 120, so daß mit der Umschulung auf dieselelektrischen Fahrzeugen im Güterzugdienst begonnen werden konnte. Neu kamen die 106 635 (02.03.1970), 673, 688 und 698 bzw. 118 071 und 083. Zur Kapazitätserweiterung wurde in Kietz eine 52er durch zwei 106 ersetzt. Eine weitere 106 übernahm Überführungen nach Rosengarten. Zur gleichen Zeit kam die erste Lok der BR 110 in der Est Pbf im Reiseverkehr zum Einsatz und ersetzte eine 65er. Im Sommer 1971 erhöhte sich die Anzahl der BR 106 im Rangierdienst Rbf auf fünf. Auch auf dem Bahnhof Eisenhüttenstadt war Traktionswechsel. Ab Winterfahrplan 1971/72 verabschiedete sich die BR 65 aus der Einsatzstelle Pbf, weil nun täglich dreimal die BR 110 im Dienstplan 168 im Einsatz war. Mit dem Einsatz von zwei Triebfahrzeugen der BR 106 auf dem Frankfurter Rbf und je einem auf den Bahnhöfen Wriezen und Erkner, war der gesamte Rangierdienst traktionsmäßig umgestellt. Ab Sommerfahrplanabschnitt 1973 wurde der grenzüberschreitende Reisezugverkehr mit der durchgehenden Bespannung von Berlin Ostbahnhof bis Poznan (Züge 1395/94) unter Verwendung der BR 118 in Zweimannbesetzung und dem Einsatz eines polnischen Piloten auf den Strecken der PKP (Dienstplan 167) eröffnet. Bis zum Beginn des Winterfahrplans 1976/77 geschah das jedoch nur in den Sommerfahrplanabschnitten. Im Herbst 1973 wurde im Dienstplan 151 die BR 120 und 118 gegen die BR 130 ausgetauscht. Die Lokomotiven der BR 130 blieben jedoch im Bestand des Bw Seddin und wurden dort auch unterhalten. In der Est Wrz konnte durch den Einsatz von zwei Tfz der BR 110 die BR 65 im Reisezugdienst abgelöst werden. Die letzte Lok dieser BR in der Est Wrz schied jedoch erst ein Jahr später aus, als im Plan 184 drei 110 im Einsatz waren.

Neue Herausforderungen

Bei der Bildung der Komplexdienststelle Bw Frankfurt (Oder) bestand die Auffassung, spätestens ab 1974/75 den Lokschuppen, die Werkstätten und Behandlungsanlagen des Betriebsteiles Rbf zur Vorbereitung auf die Dieseltraktion komplett umzubauen. Entsprechende Forderungsprogramme hatte die Reichsbahndirektion abverlangt. Wegen des Mangels an Baukapazität bestand jedoch keine Chance, dieses Vorhaben in den Plan aufzunehmen. Die Dienstelle mußte Eigeninitiative entwickeln. Völlig überraschend kam im April 1974 die Mitteilung, daß bereits im IV. Quartal 1975 und I. Quartal 1976 insgesamt 30 sowjetische Lokomotiven anrollen werden. Dieser Termin wurde dann sogar noch weiter vorverlegt. Nun wurden alle Kräfte darauf konzentriert, entsprechende Bedingungen zu schaffen. Die Westhalle, die zum Abriß vorgesehen war, wurde als Lager und als Werkstatt für die Abteilung TA ausgebaut und die freigewordenen Räume schrittweise für die Diesellokunterhaltung hergerichtet. Eine eigene Maurerbrigade mit einem alten Maurerpolier von 79 Jahren an der Spitze, führte die erforderlichen handwerklichen Aufgaben durch. Gleichzeitig erledigten Verwaltungskräfte und freiwillige Helfer die Hilfsarbeiten. Von »Meyers Hofkolonne« wurden u.a. in kurzer Zeit 80 000 Mauersteine entladen und arbeitsgerecht gestapelt. Mit Begeisterung wurden diese Arbeiten weitergeführt, auch nachdem die meisten Lokomotiven bereits eingetroffen waren. Es gelang auch einige Fremdfirmen ohne Bilanzierung z. B. für die komplette Erneuerung der Arbeitsgruben zu gewinnen. 1976/77 wurde eine zweite vereinfachte Tankanlage errichtet und ein Ölheizdampfspender zur Beheizung aller Gebäude und Anlagen aufgestellt. Eine neue Drehscheibe ging im Mai 1977 in Betrieb. Die Schiebebühne im Lokschuppen wurde 1984 durch eine neue ersetzt.
Am 7. Dezember 1974 traf die 132 126, als erstes Fahrzeug dieser Baureihe, fabrikneu aus der UdSSR im Bw ein. Es folgten bis Mai 1975 die 132 177, 187, 188, 189, 190, 191, 192, 200 und 206. In den Güterzugdienstplänen 153 und 154 hatten sie nun ihre Leistungen zu vollbringen. Im Herbst 1973 wurde in der Est Pbf und ab 1 Mai 1975 im Betriebsteil Rbf die Triebfahrzeugwartung eingeführt. Die Instandhaltung im Lokschuppen Rbf begann nach der Fertigstellung der wichtigsten Baumaßnahmen am 1. Mai 1975. Im Winterfahrplanabschnitt 1975/76 konnten weitere 17 Triebfahrzeuge der BR 132 in Dienst gestellt werden. Damit hatte das Bw Fko nun schon 27 Lokomotiven dieser Baureihe. Ende Mai 1976 waren die Dienstpläne 151 bis 155 in Einmannbesetzung auf die BR 132 umgestellt und in der Est Wrz konnten zwei 52er herausgelöst werden. Häufige Umstationierungen erfolgten, weil die Lokomotiven der BR 132 in der Anfangsphase vom sowjetischen Kundendienst betreut werden mußten. Den gab es zunächst nur im Bw Seddin. Erst nach der Bereitstellung von zwei Wohnungen in der Otto-Grotewohl-Straße.34a.(heute Weinbergweg) für die Kundendienstingenieure vom Herstellerwerk in Woroschilowgrad (heute Lugansk) kamen die Maschinen direkt ins Bw Frankfurt (Oder). Nach Ablauf der Garantiezeit wurden sie teilweise wieder abgegeben. Als erster Kundendienstmitarbeiter zog im Juli 1975 Nikolai Bowkun mit seiner Familie für zwei Jahre in eine der Wohnungen ein. Ein weiterer wurde im März 1976 bei einem Besuch von Werner Lamberz abgelichtet und einer der letzten Kundendienstingenieure berichtet in der Arbeitsbesprechung beim Vorsteher über die gemeinsamen Arbeitsergebnisse.
Die notwendige Rekonstruktion des Betriebsstofflagers, Ausrüstung mit neuer Technik und Errichtung von stationären Ölwechselanlagen im Lokschuppen geschah 1978 bis 1980.
Ab Ende Mai 1976 erfolgte auch die Beförderung der vier Reisezugpaare im grenzüberschreitenden Verkehr (245/390, 395/384, 1391/1244 nach Poznan und 399/398 nach Rzepin) in Einmannbesetzung. Der Zugang von vier weiteren Neubaulok dieser Baureihe im Sommer 1976 ermöglichte die Umstellung des Dienstplanes 156. Damit wurden immer mehr Dampflok freigesetzt und auf z-gestellt, so im Frühjahr 1976: 03 2133, 52 1562, 2477, 2529, 2662, 4952, 5142, 5639, 6125, 7131, 65 1021, 1035, 1045.
Am 24. September 1977 beförderte zum letzten Mal eine 03 das Eilzugpaar 992/999 nach Angermünde und zurück. Nun wurden sie, soweit keine Umsetzung in ein anderes Bw erfolgte, ausgemustert: 1977 die 03 2019, 2118, 2195, 2250, 2269 und 2286. Es folgten 1978 die 03 2021, 2025 und 2028. Am 26.03.1978 wurde die 03 2176 nach Leipzig abgegeben.
Nach der letzten Fahrt einer Dampflok der Est Pbf wurde dort auch die Bekohlung, Restaurierung und Dampflokbetreuung eingestellt. 1979/80 erhielt der Lokschuppen in Pbf eine neue Drehscheibe.
Für die Besetzung der drei Frankfurter Weichenheizungslokomotiven und einer Vorheizlok für den Posener Hof mußten 1979 Lokheizer zu Kesselwärtern ausgebildet werden, um nicht den Lokführermangel weiter zu erhöhen. Im arbeitenden Triebfahrzeugpark befanden sich zu dieser Zeit
11 x BR 52, 3 x BR 102, 18 x BR 106, 10 x BR 110, 6 x BR 118, 21 x BR 132 und 4 x BR 171.
Nachdem das Bw Fko weitere Maschinen der BR 132 durch Umsetzungen erhalten hatte, kam am 24. Mai 1982 als letzte Lok die 132 705 direkt vom Hersteller.
Der letzte Dampflokeinsatz fand im Oktober 1986 auf dem Bahnhof Oderbrücke statt. Verstärkt wurde nun die BR 130 nach Frankfurt umgesetzt.

Triebfahrzeugbestand des Bw Frankfurt (Oder) am 01.07.1987:

52 2195 8017 8026 8029 8082 8117    
  8152           = 7
100 210 318 347 620 634 635    
  828 891 929 930     = 10
101 014 596 666 724     = 4
102 060 136 138 177 186 234    
  235           = 7
105 017 071 075       = 3
106 183 214 251 595 606 635    
  669 673 688 691 698 757    
  760 765 766 797 801 842    
  889 896 917 969       22
110 005 020 023 074 149 239    
  896           = 7
112 236 254 286 287 305 332    
  386 394 474 495 517 518    
  519 521 595 600 691 748    
  853           = 19
118 178 778         = 2
130 008 009 014 015 017 027    
  029 933 039 048 053 057    
  061 062 063 067 070 077    
  080           = 19
132 150 190 252 267 278 282    
  283 288 303 325 372 381    
  403 404 409 412 460 503    
  545 549 583 624 631 640    
  652 660 661 665 667 670    
  684 605 690 697 699 704    
  705           = 37
171 017 030 032 053 055   = 5
172 013 014 015       = 3
            gesamt: = 145

Am 15. Dezember 1990 wurde mit der Lok 212 002-0 der elektrische Zugbetrieb von Berlin über Frankfurt nach Cottbus eröffnet. Vor beiden Lokschuppen hängt der Fahrdraht, doch zur Stationierung von E-Lokomotiven kam es nicht. Das war der Anfang der Entwicklung zur »Personaleinsatzstelle Frankfurt (Oder)«. Die Lokomotiven der BR 132 waren nun nicht mehr nötig, sie wurden größtenteils auf z-gestellt
Wieder einmal mußten sich die Eisenbahner auf ein neues Triebfahrzeug-Kennzeichnungssystem einstellen, das mit Wirkung vom 1. Januar 1992 »für die Harmonisierung der Betriebsführung von DR und DB« eingeführt wurde.

Triebfahrzeugbestand des Bw Frankfurt (Oder) am 04.03.1992

052 017 029 097 117 145   = 5
310 210 318 347 628 635 828    
  891 929 930       = 9
311 012           = 1
  596 666         = 2
312 033 036 060 136 138 177    
  186 222 234 235     = 10
345 017 071 075       = 3
346 019 183 214 251 298 595    
  635 673 686 688 691 698    
  757 760 765 766 797 801    
  889 896 917 969     = 22
201 083 155 284 711 896   = 5
202 236 254 286 287 305 332    
  386 394 474 495 517 518    
  519 600 691 705 748 852    
  853           = 19
228 533z 535z 573z       = 3
230 008 009z 014z 015 017 019z    
  027z 033z 034z 041z 048z 053z    
  057 061 062z 063 067 070z    
  077 078z         = 20
232 038 195 202 211 228 252    
  278 288 312 374 403 407    
  409 412 439 460 495 567    
  602 661 665 670 684 685    
  699 705         = 26
708 322 328         = 2
771 017 022 030 032     = 4
772 003 013 014 015 101 104    
  115 128 131 142     = 10
            gesamt: = 141

In der weiteren Folge gingen die Leistungen und Zahl der Arbeitskräfte zurück. Im August 1991 erfolgte die Abordnung von 23 Lokführern in die alten Bundesländer. Am 29. Oktober 1993 wurde der Lokschuppen Pbf stillgelegt und im Herbst 1996 die Instandhaltung im ehemaligen Betriebsteil Rbf eingestellt. Am 1. April 1997 waren die Verschrottungsarbeiten im Lokschuppen Rbf beendet. Die Umsetzung der letzten in Fko stationierten Lokomotiven erfolgte am 16. November 1995 nach Berlin-Pankow. Die Lokleitung Rbf (ab Januar 1998 gehört sie zu Cargo) zog am 14. Juni 1995 in das Sozialgebäude nach Pbf und am 7. Mai 1999 zur Bahnhofstraße 6/7 um. Von den am 1. Januar 1998 in der Oderstadt noch aktiven 150 Lokführern wurden 100 von Cargo und 50 vom Nahverkehr (Lokleitung Berlin-Lichtenberg) eingeteilt. Lokpersonale, die darüber hinaus zum Fernverkehr gehörten, hatten sich in der Lokleitung Berlin Ostbahnhof zu melden.

Leiter des Bw Frankfurt (Oder) waren:

Lothar Meyer.... 01.01.1968 - 31.01.1985
Manfred Vollmer 01.02.1985 - 31.12.1992

Zustand bis 2007:

Der Lokschuppen in Pbf und Rbf stehen leer. Im ehemaligen Hauptbetriebsteil wachsen die Strahlengleise, die Anlagen der ehemaligen Restaurierung und die Cottbuser Ausfahrt immer weiter zu.

Situation im Mai 2008:

Cottbuser Ausfahrt, Restaurierung, Strahlengleise

Situation im Dezember 2009:

Der Lokschuppenkomplex Pbf wurde bis auf den Wasserturm abgerissen. Im Bw Rbf erfolgte der Abbruch des Betriebsstofflagers und der Lokleitung. Im Bereich der ehemaligen Strahlengleise ist ein Lager für zurückgebaute Schwellen eingerichtet.

Bw-Kennziffern hier

Autor: Lothar Meyer

 

oben | Anfang | home