Bahnbetriebswerk Wriezen

 

Am 1. Januar 1867 fand die offizielle Eröffnung der Strecke Neustadt (Eberswalde) – Freienwalde – Wriezen statt. Der Bahnhof wurde als vorläufiger Endpunkt der zukünftigen Eisenbahnlinie  Eberswalde – Frankfurt (Oder) eröffnet. Der Zugbetrieb wurde zu dieser Zeit von der Maschinenenstation Eberswalde aus betrieben. In Wriezen konnten nur die Betriebsvorräte ergänzt werden. Zehn Jahre war Wriezen Endpunkt der Strecke bevor am 1. Januar 1877 die Verlängerung bis Seelow durch die Berlin – Stettiner Eisenbahngesellschaft in Betrieb genommen wurde. Über den Lokeinsatz der ersten Jahre sind keine Angaben vorhanden.

Nach Verstaatlichung der Berlin – Stettiner Eisenbahngesellschaft im Jahre 1880 wurde der Dienstort Wriezen der KDE Berlin, Betriebsamt Berlin – Stettin, in Stettin unterstellt. Zu dieser Zeit existierte bereits eine kleine Maschinenstation und so können wir den ersten Wriezener Lokbestand vorlegen.


Lokbestand der Maschinenstation Wriezen am 01.07.1892

Bahnnummer
Gattung
Bauart
Hersteller
Baujahr
Fabriknummer
644
G2
B1n2
Vulcan
1874
 534
  1767
  T3
Cn2
Henschel
1887
2259
 1799 
  T3
Cn2
Union Kbg.
1890
476

Chronik (12 MB, ein bißchen Geduld beim Laden)

Zur Jahrhundertwende wurde Wriezen Eisenbahnknoten. Etwa zur selben Zeit erbaute man das Betriebswerk. Der Lockschuppen hatte anfangs zehn Gleise. Die erste Drehscheibe hatte nur kleine Ausmaße. Nördlich von ihr lag die Bekohlungsanlage. Im Jahre 1918 kam die erste Heißdampflokomotive nach Wriezen. Die Lokfabrik Hanomag in Hannover lieferte fabrikneu die G10 „Stettin 5435“. Damit hatte eine moderne Lokbauart in Wriezen Einzug gehalten. Ihr folgte im Jahre 1921 die beiden G10 „Halle 5498“ und „Halle 5499“ von der Firma Borsig.

Nach dem Ende des Ersten Weltkriegs kamen viele Eisenbahner aus den abgetretenen Ostgebieten zum Betriebswerk Wriezen.

Zu dieser Zeit wurden auch Schadwagen repariert. In der Unterhaltung wurde in zwei Schichten gearbeitet. Sie bestanden aus einem Vorschlosser, 10 Schlossern, einem Werkhelfer und einem Tischler. Der Betrieb erforderte es, dass die Kohlenlader  sogar in drei Schichten ihren Dienst versahen. Im Jahr 1920 zählt das Wriezener Betriebswerk 148 Beamte und Arbeiter.

Der Lokpark  bestand  Anfang der 20er Jahre aus pr. P4,2 für den Personenzugdienst, die Güterzüge wurden  pr. G5,2 und G10 befördert und im Rangierdienst machten sich die pr. T11 nützlich. Vom Oktober 1925 ist die Beheimatung der G5,2 „Stettin 4024 und 4084“, später als 54343 und 54373 bezeichnet, bekannt.

Im Jahre 1926 wird der Lokschuppen um ein Gleis, durch den Einbau einer Achssenke, erweitert. Die alte Drehscheibe wird durch eine 21 Meter Drehscheibe ersetzt.

Vom Februar bis April 1928 werden die fabrikneuen Einheits- Personenzuglokomotiven  24001 bis 24005 beim Bw Wriezen in Dienst gestellt. Ihnen folgen noch zwei weitere im Juni und Juli 1931. Neben den 24ern waren bereits etwas früher, seit 1923 die pr. T18 im Einsatz. Ende 1931 wird die Baureihe 78 abgegeben, kehrt aber nach kurzer Unterbrechung 1932 zurück und bestimmt dann nach Abgabe aller 24er bis 1945 den Personenzugdienst des Bw Wriezen. Im vorliegenden Lokbestand vom 1. Februar 1932 fehlt die Baureihe 78 noch.

T18 oder auch Baureihe 78

 

Lokbestand des Bw Wriezen am 01.02.1932

24 001, 002, 003, 004, 005, 006, 007 = 7
55 2252 = 1
57 1344, 1594, 1763, 2305, 2450, 2451 = 6
74 111, 160 = 2

Mitte der dreißiger Jahre wird das Bw Bad Freienwalde als selbstständige Dienststelle aufgelöst und Lokbahnhof vom Bw Wriezen.

Triebfahrzeugbestand des Bw Wriezen am 12.02.1944

57 1688, 1694, 2444, 2451 = 4
74 259, 320 = 2
78 006, 010, 109, 167, 172, 178, 188,   220 = 8
91 1626 = 1
93 276, 330 = 2
Leihlok SNCB Pr.G8,1 SNCF 8150, 8219, 8474, 8557, 8638       = 5
040-D 2-040 D 77, 1-040 D507                   = 2

Folgende Einsatzbereiche waren für die Wriezener Lokomotiven vor 1945 vorgesehen. Wriezen – Jädickendorf – Königsberg (Neumark), Wriezen - Werneuchen – Berlin, Eberswalde-Wriezen-Frankfurt (Oder) sowie Rangierdienst auf den Bahnhöfen Wriezen und Bad Freienwalde.

Anfang April 1945 wird der Bahnhof Wriezen bombardiert, am 16 April wird das Bahnbetriebswerk geräumt. Der Lokschuppen, und die Gleise 5 bis 13 werden schwer beschädigt. Auf Grund der großen Zerstörung wird das Bw Wriezen aufgelöst und ab September 1945 dem Bw Eberswalde als Lokstation unterstellt. Ab Oktober 1945 bekommt Wriezen wieder eine Rangierlok zugeteilt, somit kann der Rangierdienst wieder aufgenommen werden. Im Jahr 1952 hat die Lokstation Wriezen drei Lokomotiven im Betrieb. Im November 1954 werden der Lokstation Wriezen bereits die ersten 89er zur Unterhaltung zugeteilt. Wriezen ist kurzzeitig dem Bw Frankfurt (Oder) Pbf unterstellt. Mit der Veränderung der RBD Grenzen am 01. Januar 1955 gehört Wriezen nun zur RBD Berlin und es zeichnet sich ab, das es bald wieder als selbständige Dienststelle entstehen würde. Am 01 April ist es dann endlich so weit, das Bw Wriezen wird neu gegründet. Nach der Neugründung waren in Wriezen 176 Beschäftigte vorhanden. Der Einsatzbereich der Wriezener Lokomotiven war nach 1945 fast unverändert gegenüber der Zeit vor Kriegsende, nur auf der Jädickendorfer Strecke war in Neurüdnitz 3,0 Kilometer vor der polnischen Grenze Endstation. Hinzu kamen nach 1950 fast alle Leistungen auf der ehemaligen Oderbruchbahn Wriezen – Groß Neuendorf – Dolgelin –Fürstenwalde sowie Hasenfelde – Müncheberg. Durch die Einstellung des Zugbetriebes auf der Oderbruchbahn ging 1966 ein Großteil der Leistungen des Bw Wriezen verloren. Anfang 1967 macht das Bw Bekanntschaft mit Reko – Lokomotiven in Form dreier 52er.

52 8095-3 im August 1985

Als zum 01. Januar 1968 die Bahnbetriebswerke Frankfurt (Oder) Pbf und Frankfurt (Oder) Vbf zum Bahnbetriebswerk Frankfurt (Oder) zusammengelegt werden, löst man im gleichen Zuge das Bw Wriezen auf. Wriezen wird Einsatzstelle des Bw Frankfurt (Oder). Zu diesem Zeitpunkt sind in Wriezen 8 Triebfahrzeuge der Baureihe 38 und 10 der Baureihe 52 im Bestand.

Baureihe P8, eingesetzt im Reisezugdienst


Der Lokpark der Einsatzstelle blieb im Jahr 1968 fast unverändert. Die P8 beförderte die Reisezüge in Richtung Berlin, Neurüdnitz und Frankfurt Oder. Die 52er sowohl als Altbau und  Reko besorgten den Güterverkehr und Rangierdienst. Ein Reststück der ehemaligen Oderbruchbahn ist noch lange als Anschlussgleis für die Zuckerfabrik Thöringswerder erhalten geblieben. Hier fanden während der Zuckerrübenkampagne Übergabefahrten zur Zuckerfabrik Thöringswerder statt.

1971 kommt die erste Diesellok in der Einsatzstelle Wriezen im Rangierdienst zum Einsatz. Die 106 139 löst die bis dahin im Dienst befindliche 55 3398 ab.

Die Veränderungen der  ausgehenden 60er -und der beginnenden 70er Jahre haben für das Bw Wriezen und den Personalbestand weitreichende Folgen. Es fanden durch die Zusammenlegung gravierende Personalveränderungen in Bereichen der Verwaltung, der TB Gruppe und in der Lagerverwaltung statt, so bringt jetzt der Traktionswechsel die gleichen Probleme für das Fahrpersonal. Bis zum Eintreffen der Dieselloks der BR 110 besorgen die 52ger noch fast all Dienste. Mit der 118 044 kam die erste Großdiesellok in die Einsatzstelle, sie löste die letzte 52ger ab. Am 04. August 1981 endete in der Einsatzstelle Wriezen mit der 52 8029 der planmäßige Dampflokeinsatz. Die BR 118 wurde aber bald durch die Baureihe 130 und 132 abgelöst. Die 52ziger wurde bis zum Frühjahr 1991 noch als Heizlok eingesetzt.

 

Arbeitszeitplan von 1988

IIn den 80ger Jahren bestimmen die 112, 130 und 132 gelegentlich eine 118 das Bild im Streckendienst. Die BR 106 machten sich im Rangierdienst auf dem Bahnhof in Wriezen und mit Übergabezügen zu den umliegenden Bahnhöfen in Richtung Frankfurt (O) und Werneuchen nützlich. Mit der Stilllegung der Strecke nach Neurüdnitz im Mai 1981 gingen die Zugleistungen noch weiter zurück.

Mit dem Fahrplanwechsel 1993 verbleiben in der Einsatzstelle Wriezen die 106 346 für den Rangierdienst und drei Lok der BR 202 für den Regionalverkehr der Linie 7 nach Werneuchen und Berlin.

Die Triebfahrzeugeinsatzstelle Wriezen des Bw Frankfurt /Oder wird am10. September 1993  aufgelöst. Die 30 Lokschlosser, das Lager und die Verwaltung werden nach Frankfurt verlegt. Viele Kolleginnen und Kollegen werden andere Tätigkeiten übernehmen oder aus dem Eisenbahndienst ausscheiden. Bis zum Jahresende verbleiben noch einige Schlosser in Wriezen welche noch mit Rückbauarbeiten beschäftigt werden.

Im Januar 1994 erfolgt eine Umstrukturierung bei der DB AG. Es werden die Betriebswerke in die Bereiche Traktion und Werke aufgesplittet, wobei jeder Bereich eigenständig firmiert.

Im Dezember 1995 gibt der Bereich Traktion die Räume der Lokleitung auf und zieht um in das Empfangsgebäude des Bahnhofs.

 

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